Sprachcoaching für Sänger*innen

Gesungenes Wort vs. gesprochenes Wort

Die menschliche Stimme ist ein Medium für unsere Gedanken und Geschichten, die wir in gesprochener oder gesungener Form an unser Publikum vermitteln.

Im Musiktheater gibt die Musik dem gesungenen Wort klare Vorgaben: Rhythmus, Tonhöhe, Tempo und Phrasierung sind festgelegt. Daraus entsteht ein Spannungsfeld zwischen persönlicher Interpretation und musikalisch-technischen Anforderungen. Hier liegt eine zentrale Herausforderung: Wie kann ein Text so vermittelt werden, dass er trotz musikalischer Überformung verständlich bleibt und seine inhaltliche Wirkung entfaltet?

Das gesprochene Wort hat im Musiktheater eine dramaturgische Funktion: Es treibt die Handlung voran, verdeutlicht Situationen, leitet von einer musikalischen Passage in die nächste oder bricht sie bewusst. Hier entscheiden wir selbst über Rhythmus und Dynamik, Tempo und Sprechmelodie, um einen Text so zu gestalten, dass er im Einklang mit der Gesamtkomposition, dem Bühnengeschehen, dem Regiekonzept, unserer Rolle und unserer Persönlichkeit steht. Dies erfordert sowohl eine präzise Textanalyse zum Verständnis der Inhalte als auch eine ehrliche Auseinandersetzung mit den eigenen Erfahrungen und Gedanken.

Neben der Interpretation arbeite ich mit den Sänger*innen an der Sprechtechnik, damit die Sprechstimme tragfähig und der jeweiligen Situation angemessen im Raum klingt und neben dem Gesang bestehen kann. So kann das Singen als überhöhtes Sprechen empfunden werden oder das Sprechen als Erweiterung des Singens und nicht als Belastung für die Singstimme.

Zu meinen Schwerpunkten gehören die präzise Lautbildung der deutschen Hochlautung, die Stimmprojektion über verschiedene Distanzen sowie das impuls- und reaktionsgesteuerte Sprechen.

Nach meinem Gesangsstudium an der UdK Berlin war ich von 2000 bis 2013 als Sopranistin im Festengagement an deutschen Bühnen tätig und wirkte jährlich in bis zu 100 Vorstellungen und insgesamt über 40 Rollen mit. Der Wechsel zwischen gesungenem und gesprochenem Wort in Oper, Operette und Musical wurde dabei zu einem zentralen Thema meiner eigenen künstlerischen Arbeit. Aus dieser Erfahrung entwickelte sich meine intensive Beschäftigung mit dem gesprochenen Wort und mit der Gegenüberstellung von gesprochener und gesungener Lyrik.